Seumi Berlin · Seumestraße 8, 10245 Friedrichshain
Die Geschichte der Seumestraße 8
Die Seumestraße 8 wurde 1911 erbaut — mitten im Berliner Gründerzeit-Bauboom. Das Gebäude war sein gesamtes Leben über ein Mietshaus: durch die Weimarer Republik, den Nationalsozialismus, den Zweiten Weltkrieg, vierzig Jahre DDR und die Wiedervereinigung. Dies ist ein kurzer Abriss der Geschichte des Hauses und des umliegenden Viertels.
1911: Berlins Gründerzeitboom
1910 hatte Berlin 2,07 Millionen Einwohner. 1920 waren es bereits 3,8 Millionen — das schnellste Stadtwachstum Europas zu dieser Zeit. Im heutigen Friedrichshain entstanden zahlreiche neue Wohnhäuser, als Arbeiter aus den östlichen Provinzen des Deutschen Reiches in die Fabriken an der Spree strömten.

Berliner Bevölkerungsentwicklung 1871–1933.
Seumestraße 8 ist eine typische Gründerzeit-Mietskaserne. Die ursprünglichen Grundrisse sahen für jede Etage nur eine gemeinsame Außentoilette vor. Das Haus wurde nach der Wiedervereinigung in den 1990er Jahren und erneut Anfang der 2000er Jahre modernisiert.

Altbau-Wohnstraße in Friedrichshain, um 1900–1910. Der Gebäudetyp und die Straßenstruktur ähneln der Seumestraße noch heute sehr.
Die 1920er: Friedrichshain zwischen Gangs und Nachtleben
In den 1920er Jahren war Friedrichshain eines der rauhesten Arbeiterquartiere Berlins — ein Ort der Fabrikschichten, dünnen Suppe, politischen Gewalt und samstäglichen Tanzvergnügens. Das Viertel war Heimat einiger der berüchtigtsten Straßenbanden der Berliner Geschichte. Zugleich war es ein Viertel echter Arbeiterkultur: Chorvereine, Sportklubs und improvisiertes Theater.
Berlin, ca. 1925. Via @whitlamsberlin
Der Zweite Weltkrieg: Die Brandmauer überlebt
Der Brandmauer — die heute vom Hof aus sichtbare Feuerschutzwand — ist ein Zeugnis kriegszeitlicher Zerstörungen, die nie ausgebessert wurden. Solche Wände wurden sichtbar, wenn Nachbargebäude während des Zweiten Weltkriegs oder danach beschädigt oder abgerissen wurden. Das Gebäude in der Seumestraße 8 überstand den Krieg unversehrt.

Die freigestellte Brandmauer ist heute noch vom Hof aus zu sehen. Sie ist eine von Dutzenden ähnlicher Wände in Friedrichshain — ein Relikt der Bombardierungen von 1945, das nie repariert und nie verdeckt wurde, weil das Geld für beides fehlte.
DDR: Die Wohnung unter dem SED-Regime

Von 1949 bis 1990 lag die Seumestraße 8 in der Deutschen Demokratischen Republik. Das Gebäude wurde wie die meisten privaten Mietobjekte in Ostberlin verstaatlicht und von einer staatlichen Wohnungsbaugenossenschaft verwaltet. Eine Bewohnerin der Seumestraße in den 1960er Jahren war Jutta Langer — ihre ersten Unterkünfte in Friedrichshain lagen in der Seumestraße. Sie war bei den Eltern einer Freundin untergekommen, die in den Westen gegangen war. Als auch diese das Land verließen, wurde ihr eine neue Wohnung in der Krossener Straße zugewiesen.
Wiedervereinigung und der Wandel der 1990er
Als die Mauer am 9. November 1989 fiel, wurde Friedrichshain zu einem der sich am schnellsten verändernden Viertel Berlins. Die Gebäude wurden an ihre Vorkriegseigentümer zurückgegeben oder oft zu sehr niedrigen Preisen verkauft. Die Seumestraße 8 wurde 1992 vom heutigen Eigentümer erworben.
Das Viertel selbst — heute eine der begehrtesten Adressen Berlins — hat sich unkenntlich verändert. Aber die Straße, der Hof und die Brandmauer sind noch da.
Häufige Fragen
Wann wurde das Gebäude in der Seumestraße 8 gebaut?
Seumestraße 8 wurde 1911 im Gründerzeit-Bauboom errichtet, der Friedrichshain von einer Freifläche in ein dichtes Arbeiterquartier verwandelte.
Ist die Wohnung eine Ferienwohnung oder eine Dauermietwohnung?
Es handelt sich um eine eingetragene Ferienwohnung, die legal bei der Stadt Berlin registriert ist. Der Eigentümer wohnt in der Nähe und verwaltet das Objekt direkt.
Was ist die Brandmauer?
Die Brandmauer ist die freigestellte Feuerschutzwand der Seumestraße 8, vom Hof aus sichtbar. Sie wurde freigelegt, als ein Nachbargebäude während des Zweiten Weltkriegs oder danach beschädigt oder abgerissen wurde.
War das Gebäude in der DDR?
Ja. Von 1949 bis 1990 befand sich Seumestraße 8 in der Deutschen Demokratischen Republik. Das Haus wurde verstaatlicht und 1992, nach der Wiedervereinigung, an den heutigen Eigentümer verkauft.
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